Triangulation
Oekonomie
Das Lange Bruecke Prinzip
Giu Sau
Die Geradlinigkeit
Das Fließen
Der Cutting Angle
Die Kraft aus der Wendung
   
  Eine Ebene zurück
   

Theorie der Triangulation oder Pyramidalstruktur


Die strukturale Stärke des Wing Chun läßt sich aus der Theorie der Triangulation ableiten.
Pyramiden und Dreiecke sind bekanntermaßen geometrisch und statisch sehr stabil und auch noch leicht zu verstehen. Sie sind die stabilste bekannte geometrische Figur. Von daher ist es nicht erstaunlich, dass sie im Wing Chun Gung Fu System eine so tragende Rolle spielen. Außer, dass sie die Struktur sind, auf welcher alle Wing Chun Stände (vergl. den Mutterstand)basieren, sind sie auch die Grundlage für die Theorie der zentralen Linie.
Der Wing Chun Kämpfer visualisiert einen ankommenden Schlag des Gegners, als eine Pyramide, die vertikal auf dem Körper steht und ihre Grundlinie auf der Mitte/Spitze des Kopfes, der Self-Centerline, der Außenseite der Schulter auf der Schlagseite und der horizontalen Ellebogen-Level Motherline des Schlagarmes, hat. Ihre Spitze korrespondiert exakt mit den schlagenden Knöcheln. Angriffspyramiden gibt es in vielen verschiedenen Variationen der Länge und Weite. So liegt zum Beispiel die Spitze der Angriffspyramide des Jing Jyeung (Vertikaler Handflächenstoß) auf dem Handballen und verkürzt die Pyramide dadurch. Im Falle des Chau Kuen (tiefer Handfläche-nach-oben-gedrehter Schlag) ist die Pyramide extrem verkürzt und ihre Standfläche fällt viel tiefer aus, als in den oben beschriebenen Beispielen.
Abwehrende Bewegungen werden ebenso als Pyramidalstrukturen in der Theorie der zentralen Linie betrachtet. Die Woo Sau Bewegung (Schützende Hand), wie sie in der Siu Leem Tau Form eingeführt wird, bildet eine kompakte, mittelhohe Pyramide, deren Spitze mit dem äußeren Bereich des Handgelenks korrespondiert, welches nach außen schnappt, um Kontakt mit der ankommenden Kraft aufzunehmen. Die drei Seiten der Woo Sau Abwehrpyramide kann man sich vorstellen: die dreieckige Fläche, welche sich von der Self-Centerline zur Spitze erstreckt, die dreieckige Fläche, welche die Ellebogen, die Self-Centerline und die Spitze verbindet, und die Fläche, die die Außenseite der Schulter des Woo Sau Arms mit dem Handgelenk und dem Kopf verbindet. Der Unterarm formt den Rand, der die zweite und letzte dreieckige Fläche verbindet. Verständlicherweise ist die Spitze einer Angriffs- oder Abwehrpyramide auch der Punkt, an das Chi, die innere Enrgie, bei der Ausführung geleitet. wird. Wie Angriffspyramiden kommen auch Abwehrpyramiden in verschiedenen Größen und Formen vor. Jede erfüllt die spezifischen Winkel-Bedürfnisse, welche von der Angriffspyramide des Gegners vorgegeben werden. In anderen Worten, greift ein Gegner an, visualisiert der Wing Chun Kämpfer diese Attacke als spezifische Angriffspyramide und setzt eine passende Abwehrpyramide entgegen. Diese befindet sich mit der Angriffspyramide auf Kollisionskurs. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn zwei Pyramiden frontal kollidieren: eine wird auf einen neuen Kurs gedrückt. Dies passiert unabhängig davon, wie kraftvoll Pyramiden aufeinander streben. Der Verteidiger muss also nur eine passende Abwehrpyramide zur rechten Zeit auf den Weg schicken, um die Angriffspyramide aus ihrer Bahn zu drücken.
Ein weiterer Faktor der Visualisierung von Angriffs- und Abwehrpyramiden liegt in der Idee, dass jede Pyramide ihre eigene Centerline, welche durch die Bewegungsrichtung der Pyramide gegeben wird, hat. Diese Linien sind als "Block- und Angriffslinien" bekannt und werden als Referenzpunkte benutzt, wenn man die Theorie der zentralen Linie anwendet. In der oben beschriebenen Woo Sau Bewegung, ist die Blocklinie horizontal und hat ihren Ursprung auf der Motherline des Abwehrenden; sie endet an der Spitze der Woo Sau Pyramide etwa in Brusthöhe. In der Boang Sau Bewegung ist die Blocklinie normalerweise höher, kann aber irgendwo zwischen Kinn und Don Teen Höhe fallen, je nach Anwendung. Angriffslinien arbeiten ähnlich, haben ihren Ursprung gewöhnlich aber nicht auf der vertikalen Motherline des Angreifers. Führt der Angreifer zum Beispiel einen Haken, wie man ihn aus dem Boxen kennt, aus, so würde die Angriffslinie von der scharfen Kurve des Ellebogens, den Unterarm entlang zum Knöchel des Ring- oder Mittelfingers verlaufen. Jede abwehrende Bewegung dagegen würde auf dieser Linie basieren, statt ihn von innen zu stoppen, was Kraft gegen Kraft erforderte.

Jede Bewegung bildet eine stabiles Dreieck, welches die eigene Kraft auf einen Punkt fokusiert.