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6 Prinzipien des Wing Chun



I. Vermeide die Bekämpfung von Kraft durch Kraft.
Wing Chun Übende bevorzugen es, eine auf einen einwirkende Kraft abzuleiten, anstatt sie zu stoppen. Deswegen beinhalten viele Armtechniken zirkulierende und kreisförmige Bewegungen. Weil Wing Chun die Ableitung der Kraft bevorzugt, ist Positionierung sehr wichtig und bedarf einen besonderer Aufmerksamkeit.
II. Arbeite auf der Zentralinie
Alle Situationen, in denen man ohne Not das Zentrum aufgibt, sind für den Gegner vorteilhaft. Ist der Verteidiger zur Aufgabe des Zentrums gezwungen, dann ergeben sich alle möglichen Angriffe von selbst.
III. Benutze zwei Arme gleichzeitig
Die zweizeitige Block und Konter - Methode hat u. a. den Nachteil, daß der Angreifer gleichzeitig mit dem Konter seinen 2. Angriff landen kann. Die Einzeitige Methode macht den Zeitvorteil des Angreifers (der uns ja eine Zeit voraus wäre) zunichte. Darüberhinaus ist es ungleich schwerer, zwei Arme zu kontrollieren anstatt nur einem.
IV. Lege vor dem Kontakt den Fokus auf Ellebogen und Knie
Wissenschaftliche Tests im Gair Analysis Laboratory des Children's Hospital Medical Center in Bosten, durchgeführt im Jahre 1984, haben gezeigt, dass sich während eines Schlages der Ellebogen wesentlich langsamer als die Faust bewegt. Es wurde aufgezeichnet, dass sich der Ellebogen bei der Durchführung eines Wing Chun "Geraden Schlages" ( "Yut" Jee Choong Kuen) 2.66 mal langsamer als die Faust bewegt. Bei einem "normalen" Schwinger, bewegt sich der Ellebogen gar 4.03 mal langsamer als die Faust.
Der Ellebogen wird immer die Richtung des Schlages anzeigen und den Übenden über die Intention des Gegners vorwarnen.

V. Benutze Kontaktreflexe während des Kontakts und während eines Wechsels.
Im Wing Chun kommt dem taktilen Nervensystem des menschlichen Körper eine entscheidende Bedeutung zu als Frühwarnsystem zur Einschätzung der Richtung und Kraft bzw. Energie des ankommenden Schlages. Darüberhinaus wurde in wissenschaftlichen Tests bewiesen, das die Reflexantwort beim Eigenreflex früher erfolgt als beim Fremdreflex. Eine Dehnung der Muskelspindel öffnet mechanosensitive Kationenkanäle in den Ia Afferenzen und führt so zu einem depolarisierendem Rezeptorpotential. Wird das Rezeptorpotential überschwellig kommt es zu Erzeugung von Aktionspotentialen. Dies verschafft dem Wing Chun Kämpfer einen entscheidenden Zeitvorteil gegenüber Fremdreflex basierenden Systemen.
VI. Benutze den neutralen (Seitwärts-)Stand in der Vor-Kontakt-Phase.
Der neutrale Seitwärtsstand legt den Übenden auf keine bestimmte Richtung fest. Hat man das Gewicht zum Beispiel auf dem hintern Bein, kann man sehr schnell nach vorne gehen; ist man aber gezwungen nach hinten oder zur Seite auszuweichen, so bedeutet dies, dass man erst sein gesamtes Gewicht verlagern muss, was zu einer Verzögerung führt. Man ist auf eine Richtung festgelegt, in der man sich schnell bewegen kann, nimmt sich aber die Flexibilität, eine andere Richtung einzuschlagen. In den meisten Verteidigungssituation ist aber gerade Mobilität die wichtigste Requisite.