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Antwort schreiben | 07.01.07 00:47 Armin 
 | Formzusammenhänge Hi!
Mal folgende Frage: Wie hängen bei Euch die Formen zusammen? Bauen sie aufeinander auf, stehen sie quais nebeneinander, gibt es vielleicht sogar "konkurrierende" Formen?
Bei "uns" (Yip Man VT des VTM) ist es grob dargestellt so:
Siu Nim Tao: Zerlegung der Techniken in einzelne Bestandteile, dann Zusammensetzen dieser Bestandteile zu einzelnen Bewegungen und schließlich zu beidarmigen Bewegungen. Daneben natürlich Formung des Körpers durch Training bestimmter Attribute, wie z. B. Gleichgewicht, Stabilität, Körpersturktur, usw. Und als letztes natürlich das eigentliche System: Die Konzepte - Zentrallinie, frontale Ausrichtung, und, und, und.
Chum Kiu: Erweiterung der Siu Nim Tao um Schrittarbeit (Stichwort: Siu Nim Tao auf Rädern). Erweiterung der Bewegungen um "Kraftquellen" (Schritt, Wendung, Senken/Steigen, Hüfteinsatz, etc.). Entwicklung der Standardtaktiken auf konzeptioneller Ebene.
Biu Dji: Erweiterung von Siu Nim Tao (Struktur) und Chum Kiu (Kraft) um Geschwindigkeit sowie Kraft-Fokus. Dazu konzeptionelle Erweiterung des "Standard-Systems" durch Konzepte für spezielle Situationen (Aufstehen müssen, Struktur wiederherstellen, etc.).
Und als letztes die Holzpuppe: Sätze 1 bis 3 Wiederholung der ersten drei Formen - Raffinierung, also Verbesserung oder "Ver-Genauerung", der Winkel und der Schrittarbeit. Vorher in den Formen: Laufen auf einer Linie, jetzt: Festes Ziel mit eigenem Raum, in den durch geeignete Schrittarbeit eingedrungen wird.
Satz 4: Spezieller Satz für "Po Pai". Bisher bekannt ist der Po Pai, bei dem mit einer Hand oder z. B. mit jeweils einer Hand an einem Ellbogen gestoßen wird. Jetzt halt die Händ übereinander und Stoß am Körper.
Sätze 5 bis 8: Noch ein paar spezielle Konzepte, z. B. wenn man oben abwehrt, kann man unten treten. Die wichtigste Bewegung ist die letzte Bewegung (Doppel-Tok Sao und gleichzeitiger Frontkick) - zeigt die "Einheit des Körpers" (Siu Nim Tao: 2 Teile arbeiten zusammen wie 1, Chum Kiu: 3 Teile arbeiten zusammen wie 1, Biu Dji: 4 Teile arbeiten zusammen wie 1 - diese Bewegung zeigt das Ende der Entwicklung an).
So, dann mal her mit Eurem Zeugs! ;)
Bis dann,
Armin.
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07.01.07 02:18 I.Eyring 
 | Re: Formzusammenhänge Hi,
puh jetzt aber :)
Angeblich wurden die drei Handformen in ferner Vergangenheit ja auch mal als eine einzige lange Form unterrichtet.
hmmm... also
Im grossen und ganzen gehts bei mir konform mit deiner Beschreibung, hier und da noch ein paar Ideen / Konzepte mehr oder manche Dinger früher. So beginnt man an der Holzpuppe parallel zu den Handformen, am Ende der ersten, anfang zweite Form. Ebenso kommt da auch schon der Langstock zum Einsatz. Das hat folgende Bewandnis: Grundlegend bauen die Formen ja immer aufeinander auf. Heisst also Sie gehen Hand in Hand ineinander und miteinander. Speziell das miteinander: der Langstock z.B.: hilft einem dabei das Kraftzentrum zu finden, oder auch das arbeiten als eine Körpereinheit -> das entwickelt dann ganz nebenbei eine bessere Chum Kiu. Ebenso die Holzpuppe: das sinken aus der Chum Kiu wird mit der Holzpuppe auf eine anderes Level gehoben -> verbessert damit auch das sinken in der Chum Kiu. Oder die Fokussierung der Chum Kiu -> An der Holzpuppe wird "eigentlich" immer auf die Motherline des Dummy fokussiert -> brechen der Struktur -> wiedererlangen der verlorenen (unserer) Struktur mit Hilfe unseres Gegners -> und schon sind wir bei der Biu Jee angelangt. Die Biu Jee, Yin powered Yang was auch schon in den vorherigen Formen zu finden ist. Der Langstock entwickelt die Basics der Langen Brücke -> Die Chum Kiu geht über diese Brücken -> Die Biu Jee unterwandert diese Brücken. Die Siu Lim Tau schließt die Box -> Chum Kiu öffnet die Box -> Biu Jee baut eine Box, falls unsere mal kaputt ist -> Siu Lim Tau schließt -> Chum Kiu öffnet -> Biu Jee..... Und so reiht sich dann auch Chi Dan Chi, Chi Sau, Lak Sau... nahtlos in diese Kette ein.
Darüberhinaus gibt es dann noch diese kleinen "Subformen" siehe: "die eisernen Reiter" die entwickeln unter anderem einen felsenfesten Stand, das Sinken etc... -> benötigt man im Langstock -> der seinerseits wieder ... -> wie oben beschrieben. Oder die Mui Fa's die bewegen diesen felsenfesten Stand (man beachte dazu auch: das chinesische Schriftzeichen für den Stand heisst auch Schritt) und stehen somit der Chum Kiu und der Biu Jee unterstützend zur Seite.Siu Leem Tau Partikel bilden -> Chum Kiu -> unabhängige Partikel arbeiten zusammen als eine Einheit -> Biu Jee -> unabhängige Partikel arbeiten getrennt voneinander als eine Einheit -> welch Wunder ebenso zu finden bei den Messern. Viele Dinge die in der ersten Form gepflanzt werden und in der Biu Jee vollendet werden. Da könnte ich mich stundenlang drüber auslassen. :) Ergo: Man kann also keinen Teil wegnehmen oder rausnehmen ohne das System nachhaltig zu zerstören!
Ich hoffe das war jetzt nicht zu sehr verwirrend. Diese Aufstellung ist natürlich bei weitem nicht vollständig. Das sollte nur der verdeutlichung dienen wie die Fomen aufeinander aufbauen und miteinander agieren.
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09.01.07 13:21 I.Eyring 
 | Re: Formzusammenhänge Ich hab dazu nochmal einen netten Artikel:
Berücksichtigt man die Geschichte des Wing Chun ist anzunehmen das das Wing Chun an sich fehlerlos ist. Seine Theorien, Strukturen und Techniken im Angriff und der Verteidigung sind sehr profund und beachten die verschiedenen Aspekte der menschlichen Muskulatur, skeletale Struktur, Theorien der Kraft, das menschliche Denken und die potentielle leistungsfähigkeit einer Person. Die Konzepte, Prinzipien und Strukturen des Wing Chun sind so perfekt das das vollständige Verstehen, dauerndes Üben und anwenden obengenannter Aspekte wahre High-End Kampftechniken entwickelt. Jemand der dieser Kampfkunst frönt kann darin wahre Erfüllung finden.
Wing Chun umfasst die drei waffenlosen Handformen Sie Lim Tau, Chum Kiu und Biu Jee. Jede dieser drei Formen hat Ihre eigenen Theorien, Konzepte, Strukturen und Ziele die damit trainiert werden. Jede der Formen baut auf die vorhergehende Form auf und erweitert diese um Ihre weiteren Konzepte. Die Kombination aller durch die Formen entwickelten Aspekte ergibt eine Kampfkunst die sehr mächtig in der Abwehr wie im Angriff gleichermaßen ist.
Durch diesen dreiteiligen Aufbau des Wing Chun Kuen kann der Schüler optimale Ergebnisse und Fortschritte erzielen.
1. Siu Lim Tau Das Basiskonzept der Siu Lim Tau ist das ausbilden der Grundtechniken, ausbilden der Energie und entwickeln der mentalen Stärke. Desweiteren werden die Grundstrukturen und Konzepte des Wing Chun entwickelt. Jede noch so kleine Bewegung erhält dadurch eine sehr starke Struktur die schwersten Angriffen widerstehen kann und äusserst Effizient im Angriff ist. Man könnte Sie somit auch als Grundlexikon des Wing Chun bezeichnen.
2. Chum Kiu Die Chum Kiu vereint das Wissen der Techniken und Struktur aus der Siu Leem Tau mit dem Körpergewicht, dem erzeugen von Kraft aus der Struktur und Bewegung.
3. Biu Jee In der dritten Form lernt man das erzeugen von explosiver Power aus der Struktur, dem Körper und schnellen Moves. Struktur der Techniken vereint mit der Körperstruktur und steigender Geschwindigkeit.
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10.01.07 10:53 Armin 
 | Re: Formzusammenhänge Hi Ingo!
Soweit passt Deine Beschreibung und der Artikel, den Du nachgeliefert hast, drückt (leider, verdammt!) das in kurz aus, was ich sagen wollte. ;)
Ich stimme Dir auch zu, dass Wing Chun, egal welcher Stil, an sich ein "komplettes" System ist, dem man nichts hinzufügen muss bzw. von dem man nichts weglassen kann. Außer in einem einzigen Bereich: Dem Technischen. Meiner Erfahrung nach, ist es jederzeit möglich, Techniken z. B. aus anderen Systemen zu verwenden bzw. sich diese Techniken anzueignen kann Sinn machen - so lange man diese Techniken den Konzepten unterwirft (was die wenigsten machen, die einfach nur "klauen"). Es gibt halt keine falschen Techniken, nur die falsche Zeit, den falschen Ort und die falsche Energie.
Und auch wenn man z. B. in keiner einzigen Form hohe Roundhouse-Kicks findet, macht es trotzdem Sinn solche Tritte zu üben. Wer ohne Probleme zum Kopf treten kann, wird bei tiefen Tritten kaum an seine Grenzen stoßen (und kaum Gefahr laufen, sich zu verletzen). Und wie man beim K1 immer wieder so schön sieht, gibt es tatsächlich Situationen, in denen so ein Tritt kampfentscheidend sein kann.
Eine große technische Bandbreite gibt dem Übenden halt einfach deutlich mehr Möglichkeiten an die Hand.
Bis dann,
Armin.
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10.01.07 12:58 I.Eyring 
 | Re: Formzusammenhänge Hi Armin,
zu den Techniken aus anderen Systemen: Nun, im Wing Chun gibt es ja eigentlich keine Techniken, also Techniken an sich. Ich habe die Erfahrung gemacht das das "Konzept Wing Chun" jederzeit alle möglichen und unmöglichen Techniken aus völlig anderen Systemen annektieren kann. Problem dabei ist, wie du ja schon schreibst, die Effizienz und der Einsatz der "geklauten" Techniken. Wobei ich aber auch sagen muss das "Konzept Wing Chun" kennt aber Systemintern eigentlich immer einen effizienteren Weg das vorliegende Problem zu lösen. Daher lässt sich über die Sinnhaftigkeit der "geklauten" Techniken meiner Meinung nach streiten.
Rutschen wir mal etwas ins philosopische ab :) Irgend ein alter Chinese sagte mal sinngemäß folgendes: "Ich zeige dir eine Ecke des Raumes, so solltest du fähig sein die anderen drei alleine zu finden". Was sagt uns das? Nun, was unten geht, geht auch oben. Was links rum geht, geht auch rechts rum. Was aussen funktioniert, funktioniert auch innen. Das "Konzept Wing Chun" zeigt uns den Weg wie wir eine Ecke finden, bzw. wie eine Ecke aussieht. Ob wir dann die anderen finden bleibt uns überlassen. Es zeigt uns wie wir einen effizienten Weg finden können, wir müssen ihn aber auch gehen. Es lehrt uns lebende und tote Tore, "Zielleitlinien".... und wenn genau jetzt das Gate lebt und die Line offen ist; Nun denn, "Kick that Ball". Wenn der Gegner dann am Boden liegt und ausgezählt wurde, hast du gewonnen. Wie oder auf welche Art du gewonnen hast, ist hinterher völlig egal :) Über Effizienz lässt sich dann immer noch streiten. Es gibt immer einen effizienteren Weg.
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