19.09.10 19:01 GuentherAT 
 | Re: Verbände?! Hallo zusammen (mit einiger Verspätung),
nachdem ich Armin vor gut zwei Jahren mit Fragen nach Weng Chun und anderen entfernt mit VT verwandten Stilen gequält hatte, entschied ich mich vor ca. einem Jahr doch, mein VT-Training wieder aufzunehmen.
Gleich vorweg: Ich trainiere zwar schon ein paar Jahre VT, würde mich aber trotzdem eher als Anfänger bezeichnen, da meine Arbeit leider immer wieder Trainingspausen erzwingt. Und egal, welchen Stil man nun übt: Fehlendes regelmäßiges Training ist durch nichts zu ersetzen. Ich gehe daher weniger auf technische Unterschiede als Unterschiede des Ausbildungsstils ein. Vielleicht nicht der wichtigste, aber ein weiterer Aspekt.
Ich versuchte zunächst die EWTO-Österreich-Zentrale: Der Leiter gab sich sehr aufgeräumt, erläuterte sowohl meiner Freundin als auch mir sehr auskunftsfreudig, welche Vorzüge WT seiner Meinung nach hat. Auf Fragen über Unterschiede gegenüber anderen Stilrichtungen gab es aber wenige Antworten.
Ich nahm an einem Probetraining teil: Was mir auffiel, war, dass die erste Form in enorm hohen Tempo abgespult wurde - etwas, was ich von meiner alten freien Schule nicht kannte und was mir angesichts ihrer fundamentalen Bedeutung instinktiv nicht als richtig erschien. Aber gut.
Im folgenden Training wurden dann mehrere Gruppen gebildet - grob: Anfänger, Fortgeschrittene, weit Fortgeschrittene. Der Schulungsleiter unterrichtete fast ausschließlich die dritte Gruppe, die Anfänger erhielten zu Beginn eine Einführung und durften dann unbeaufsichtigt weiter üben. Nach ein paar Minuten die nächste Kurzanleitung und schon wieder durften wir alleine weiterüben. Definitiv nicht mein Fall. So würde ich nicht viel lernen.
Das bewog mich zu weiteren Nachforschungen. Ich entschied mich für eine VT-Schule (Philip Bayer Stil). Dort gab es kein Probetraining, aber ich durfte zusehen und Fragen stellen, so viel ich wollte. Die Trainingsgruppe bestand nur aus ca. 10 Leuten, die zu 2/3 aus Fortgeschrittenen bestanden. Dort trainiere ich seitdem und kann bestätigen, dass die "Unterrichtspflichten" gleichmäßig verteilt werden. Fortgeschrittene wechseln sich im direkten Training mit einem der Anfänger ab. D.h. de facto Einzelunterricht. Fehler werden sofort erkannt und einem auch sofort bewusst gemacht (gerade beim Partnertraining kann es sehr nervig, aber umso lehrreicher sein, wenn man immer wieder wegen zu offener Zentrallinie Stupser abkriegt).
Für mich ist VT die bessere Wahl gewesen, weil ich bei WT wahrscheinlich weiter auf der Stelle getreten hätte, ohne Fortschritte zu erzielen.
Ich kann nicht viel über technische Unterschiede sagen, aber eines trifft sicherlich zu (da ich in meiner VT-Schule zu Beginn mehrmals gefragt wurde, ob ich WT gelernt hätte - scheinbar war die alte freie Schule doch sehr WT-lastig): Bei VT wird wie oben beschrieben sehr aggressiv der Weg zum Gegner gesucht. Wenn der Gegner keine Lücke bietet, so versucht man ihn zu destabiliseren, indem z.B. sein Oberkörper aus der Vertikalen gerissen wird. Aus meiner alten Schule war ich gewohnt, an den Händen des Gegners zu kleben und nach einer Lücke Ausschau zu halten, im Idealfall seine Hände "beiseite zu räumen". VT ist deutlich direkter, ich muss mich immer noch daran gewöhnen, mehr "in den Mann" zu gehen, um dem Gegner den Raum zur Verteidigung zu nehmen und gleichzeitig wirksamer schlagen zu können.
Zu anderen Stilrichtungen oder technischen Unterschieden kann ich leider nichts beitragen. Vielleicht ist aber eine solche Anfängersicht für andere Anfänger hilfreich.
LG Günther
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